Streifi-FAQ

„Hilfe, mein Hörnchen beißt (… ist aggressiv)“

Die Ursache liegt im Herbst/Winter am Sammeltrieb der Streifenhörnchen.
Um den immensen Lagerbedarf zu befriedigen muss das Hörnchen Unmengen von Futter sammeln und sieht in jedem anderen Lebewesen, das nach dem Futter greift einen Konkurrenten und greift diesen an. Dieser Trieb seine Vorräte zu schützen geht soweit, dass es völlig Größen- und Kräfteunterschiede ignoriert – es gehorcht einzig und allein dem Trieb Futter zu sammeln und dieses zu verteidigen.
Es kann auch nicht unterscheiden zwischen „Füttern“ und „Futterklau“, es sieht nur, dass der Mensch die Hand am Futter hat und beißt in selbige.
Manche Tiere, vor allem diejenigen, die keinen Winterschlaf halten, haben im Frühjahr ein wenig Probleme aus diesem Verhalten herauszufinden, da in dieser Zeit durch die Paarungsbedingte Hormonumstellung weitere „verwirrende“ Probleme für das Tier dazu kommen.
Bewährt gegen diese Aggressionen haben sich dagegen stark parfümierte Handcremes, Handschuhe und/oder „Kampfspiele“, bei dem man den Tieren unter Zuhilfenahme z.B. eines Stofftieres Gelegenheit gibt Aggressionen abzubauen.
In ganz schlimmen Fällen muss das Tier halt mal ein paar Tage im Käfig verbringen.

„Mein Hörnchen hat geschwollene Hoden“ 

Im Frühjahr schwellen, bedingt durch die Paarungsbereitschaft, die Geschlechtsorgane sowohl der Weibchen als auch der Männchen an. Während dies bei den Weibchen ziemlich unspektakulär ist, ist der Veränderung bei den Böckchen „unglaublich“, vor allem für Neulinge unter den Haltern.
Oft denkt der besorgte Halter an einen Tumor.
Die Hoden treten, eingebettet in einen dunkelhäutigen Hautsack, zum Teil so deutlich hervor, dass man den Eindruck hat, sie schleifen beim Laufen fast auf dem Boden.
Das ist völlig natürlich, für das Tier schmerzfrei und keinerlei Anlass zur Besorgnis.

„Mein Hörnchen pfeift (… zwitschert)“

Hier ist das Pendant der Weibchen zu den „geschwollenen Hoden“ der Böckchen. Die Weibchen signalisieren ihre Paarungsbereitschaft durch anhaltendes Pfeifen und Zwitschern, ähnlich einem Kanarienvogel.
Normalerweise dauert diese Lautäusserung bis zu 2 Tage, dann ist 8-10 Tage Ruhe um dann wieder von vorne zu beginnen, und das über die ganzen Frühjahrsmonate.
Bei manchen Weibchen tritt dieses Zeichen der Paarungsbereitschaft noch mal im Herbst auf (Hörnchen können, müssen aber nicht, zwei Würfe im Jahr haben).
Auch das ist kein Problem für das Tier, kann aber leicht zu einem Problem für die Nerven des Halters werden.
Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass man dieses Pfeifen durch ein geschlossenes Fenster 30 m weit auf die Straße hören kann!

„Paarhaltung ./. Einzelhaltung“

Eine zentrale und höchst emotionale Frage der Hörnchenhaltung! Hier steht immer Ärger ins Haus!
Grundsätzlich sind Sib. Streifenhörnchen Einzelgänger, wer dem widerspricht tut das entweder aus geschäftlichem Interesse um mehr Tiere zu verkaufen, aus falsch verstandener „Tierliebe“ (nicht alles, was für den Mensch gut ist, tut auch dem Tier gut – das Problem der „Vermenschlichung“!) oder aus einer Mischung von Dummheit und Ignoranz gegenüber allen Erkenntnissen.
Die Folge ist immer der plötzliche Tod eines der Tiere, sei es durch Bisse oder ohne äußere Anzeichen durch den damit verbundenen Stress.
Die viel zitierten „Ausnahmen“ von der Regel sind meist gar keine. Jungtiere bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres sind noch nicht Revier bildend, das heißt hier treten auch oft noch keine Aggressionen auf. Bei einigen Tieren geht es darüber hinaus auch noch einige Zeit, manchmal sogar einige Jahre gut – aber jederzeit und auch völlig ohne vorherigen Anzeichen kann dieses friedliche Verhältnis kippen und der eine Teil eine am Vorabend noch harmonischen Paares liegt mit halb weggefressenem Schädel tot im Käfig!

„Mein Tier sieht krank aus (… schlecht aus)!“

Für kleinere Auffälligkeiten haben wir die „Notfallseite“ eingerichtet, bei Apathie, struppigem Fell, matten Augen, starken Atemgeräuschen, schwerer Atmung, großflächigen Verletzungen usw. ist sofort ein Tierarzt aufzusuchen.
Ein Forum oder eine E-Mail sind kein Mittel dem Tier zu helfen, unter anderem fehlt uns, selbst bei einer gut gemeinten Beschreibung ,der wichtige augenscheinliche Eindruck und man verliert bei dem nur geringen Fenster für eine Erfolgs versprechende Behandlung einfach zuviel Zeit.

„Mein Tier wird nicht zahm“

Hörnchen müssen, um ihre natürliche Scheu abzulegen, Vertrauen fassen.  Außerdem sind sie in ihrer natürlichen Umgebung Nahrungsgrundlage für fast alle Raubtiere und Greifvögel, was es dem Tier nicht einfacher macht sich einem Wesen anzunähren, dass ca. 800 mal größer und schwerer ist als es selber.
Ein paar Tricks findet Ihr unter „Eingewöhnungsphase“ in der Rubrik „Haltung“ – der Schlüssel zu einer harmonischen Beziehung im Rahmen der Möglichkeiten beider Lebewesen ist aber auf jeden Fall Geduld, Geduld und nochmals Geduld!

„Winterschlaf“

Hier unterteilt sich die Problematik in 3 Bereiche:
– Mein Tier hält keinen Winterschlaf, was soll ich machen?
– Mein Tier hält Winterschlaf, was ist zu beachten?
– Wie lange dauert der Winterschlaf?

„Mein Tier hält keinen Winterschlaf, was soll ich machen?“

Nix – das ist bei Wohnungstieren oft so. Der Literatur zufolge wird der Winterschlaf, vermutlich durch eine längere Absenkung der Durchschnittstemperatur auf unter 10 Grad Celsius ausgelöst. Diese Temperatur wird in Wohnungen meist überschritten, nicht aber in der Freigehegehaltung oder in besonderen Räumen (Gartenhäuschen, Büros, Speicher, ausgebaute Kellerräume usw.)
Bei manchen Tieren ist aber der Instinkt, Winterruhe zu halten noch so ausgeprägt, dass sie auch im warmen Wohnzimmer zumindest zeitweise in den Winterschlaf fallen. Die nicht schlafenden Tiere fahren allerdings auch ihre Aktivität weit runter, schlafen lang und ziehen sich früh zurück und dösen auch über Tag immer wieder.
Zwar gilt, dass der Winterschlaf das Immunsystem stärkt aber auch nicht schlafende Tiere haben das biblische Alter von 14 Jahren erreicht.

„Mein Tier hält Winterschlaf, was ist zu beachten?“

Das ist einfach – ein solches Tier sollte völlig in Ruhe gelassen werden. Um den Stoffwechsel zu entlasten wird eine Körpertemperatur von ca. 1 Grad Celsius erreicht – der Energieaufwand diese Körperfunktionen bei einer Störung wieder hochzufahren ist enorm, ein durch Störungen geschwächtes Tier kann sogar daran sterben, dass es nicht mehr genug Reserven besitzt aus diesem starren Zustand zu erwachen.
Da der Winterschlaf alle paar Tage (ca. 10 Tage) zur Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme und dem Koten unterbrochen wird, ist immer frisches Wasser und eine energiereiche Nahrung (Obst, Grundfutter, geschälte Nüsse) bereit zu stellen.
Da das Tier nur selten aktiv ist können Störungen wie Käfigreinigung in dieser Zeit entfallen.

„Wie lange dauert der Winterschlaf?“

Bis zum 17. März – Nein, Spaß beiseite – er dauert solange, wie er eben dauert, zum Teil sogar bis Ende März.
Manche Tiere schlafen ein paar Tage, andere mehrere Monate, auch innerhalb der Wohnung.
Generell hat sich gezeigt, dass mit länger anhaltenden Wärmeperioden auch immer mehr Tiere erwachen – mag sein, dass sie dies durch das längere Lüften der Räume oder aufgrund der Wärmeeinstrahlung durch die Fenster mitbekommen.
Auf jeden Fall ist ein Schlaf bis weit in den März hinein zwar lange aber durchaus im Rahmen – bei Tieren in Außenhaltung sowieso!

„Mandeln“

Kern dieser Verwirrung ist die Aussage das Mandeln Blausäure enthalten.
Das ist genauso falsch wie die Jahrzehnte alte Mär, das Spinat besonders viel Eisen enthält!
Zuerst einmal unterscheidet man 3 Arten von Mandeln, die Süßmandel, die Krachmandel und die Bittermandel.
Die ersten beiden kann man völlig vernachlässigen bzw. unbedenklich verfüttern. Süßmandeln bekommt man ohne Probleme in jedem Lebensmittelgeschäft.
Diese enthalten ca. 50% fettige Öle, 25-35% Eiweißstoffe und ca. 10% Zucker und finden z.B. in der Marzipanherstellung Verwendung.
Problematisch ist einzig und allein die Bittermandel, die wesentlich seltener ist und meist nur als Aromat angeboten wird. Aber auch diese enthält keine Blausäure.
Der gefürchtete Wirkstoff der Bittermandel ist unter der Bezeichnung “Amygdalin“ (von „amygdále“, griech. für Mandel) bekannt, das ca. 4 % ausmacht.
Dieses Glykosid, das sich auch in den Kernen von Aprikosen, Kirschen usw. vorfindet wird mit dem menschlichen Enzym Emsulin sowie Wasser und Luft in Traubenzucker, Benzaldehyd und Blausäure zersetzt.
Als tödlich giftig gelten bei Erwachsenen ca. 120 Stück, bei Kindern 5-12 Stück.
Es wurde bis heute nicht geklärt ob das Burunduk dieses Amygdalin ebenfalls aufspalten kann – es liegt aber die Vermutung nahe, dass dieses nicht der Fall ist.
Zum einen ist der Verdauungsapparat des Streifenhörnchens anders, z.B. viel kürzer aufgebaut, was es dem Tier ermöglicht die für uns giftigen Pilze wie z.B. den Fliegenpilz als Nahrung zu nutzen.
Auch scheinen Früchte, bzw. deren Steine, die nicht so gefürchtet sind wie die Mandel und unbedenklich verfüttert werden wie Kirschen keine Wirkung auf die Hörnchen zu haben obwohl bei dem nur ca. 100 gr. schweren Tier schon geringste Mengen umgewandeltes Amygdalin tödlich sein müsste.
Es macht keinen Sinn, die Mandel generell zu verteufeln und gleichzeitig Kirschen mit Kern dem Tier anzubieten.
Bitte, wenn Ihr bei der Mandel nicht sicher seit, dann lasst sie weg – es gibt genug Alternativen unter den Nüssen – aber dann lasst auch genauso die Finger von allen Steinobstkernen, die genau den gleichen Stoff enthalten.

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