Erste Hilfe

Bevor ihr weiter lest, bitte beachten:

Wichtig!

Diese Seite ist kein Ersatz für einen Besuch bei einem Tierarzt!
Es sollen hier nur:

  • Vorbeugende Empfehlungen …
  • Hilfe bei kleineren Verletzungen und harmloseren gesundheitlichen Störungen…
  • und Erste Hilfe (bis zum nächst möglichen Besuch beim Tierarzt)…
    … gegeben werden.
    Eine ärztliche Beratung ist uns nicht nur unmöglich, sie wäre auch unzulässig.
    Wir bitten Euch eindringlich dieses zu beherzigen!

Bei den Empfehlungen von Medikamenten berufen wir uns auf zwei namhafte Hersteller („Canina – Petvital“ und „supra cell“), da beide die gleiche Kennzeichnung für ihre Präparate haben.
Allerdings können wir nicht alle Produkte dieser Firmen empfehlen, da diese auch gegen Erkrankungen helfen sollen, die wir für zu schwerwiegend halte, um diese ohne ärztlichen Beistand kurieren zu können.
Wir haben die Seite so aufgebaut, dass man nach der Erkrankung schauen muss und dann eine Empfehlung gegeben wird. Abschließend findet Ihr dann noch eine Liste der verschiedenen Mittel und ihre Anwendungsbereiche!

1. Allgemeine Hinweise:

Bei schwerwiegenden Erkrankungen und/oder Symptomen, die entweder keine genaueren Rückschlüsse auf die Ursache zulassen oder auf eine gefährliche Situation hinweisen ist ein Besuch beim Tierarzt unabdingbar. Solche Symptome sind;

– struppiges Fell
– matte Augen (gesunde Tiere haben glänzend schwarze Augen)
– unerklärliche Aphatie
– Verweigerung von Futter und Wasser
– blutiger Urin (meist Blasenentzündung)
– Durchfall trotz Ernährungsumstellung über mehrere Tage
– auffallende Erschöpfungszustände und Unsicherheit in den Bewegungen (außer für begrenzte Zeit, wenn das Tier im Winter aus einer längeren Ruhephase erwacht, da kann es schon mal eine halbe bis eine Std. brauchen)

Medikamente (Tropfen, Globuli) können am leichtesten gelöst in Wasser oder Wasser mit Kamillosan oder mit Hilfe von halbierten Trauben verabreicht werden. Bitte bei den flüssigen Medikamenten die Dosierungshinweise beachten.

2. Kleinere Wunden durch Bisse oder Unfälle:

Bisse, Risswunden, abgerissener Schwanz, ausgerissene Kralle
Normalerweise haben Streifenhörnchen gute Selbstheilungskräfte. Sollte die Verletzung nicht stark bluten ist ein Besuch beim TA mit dem Tier eigentlich nicht notwendig. Allerdings kann man selber zum TA gehen und sich vorbeugend etwas zur Desinfektion der Wunde geben lassen. Vor allem ausgerissene Krallen neigen gerne dazu, sich zu entzünden.
Dagegen sind abgerissene Schwänze eigentlich nur ein Schönheitsfehler, aber kein großes Problem für das Tier.
Biss- und Risswunden müssen je nach Größe und Tiefe unterschieden werden. Stark blutende Wunden bitte unbedingt vom TA behandeln lassen und zwar schnellstmöglich!

Empfehlung: Bei beiden Herstellern wird das Medikament unter dem Namen „N 400“ geführt. Es enthält Arnica und Calendula (Ringelblume).
Ist das Tier zutraulich kann auch etwas jodhaltiges Wundspray oder jodfreie Wunddesinfektion (z.B. Octenisept) in flüssiger Form aufgetragen werden.
Ist die Verletzung in der Nähe der Augen sollte die Flüssigkeit aufgetupft werden, ansonsten kann man die Wunde auch ansprühen.
Von Heilsalben ist abzuraten, da sie das Fell nur verkleben und deswegen oft gar nicht direkt an die Wunde gelangen.
Das Tier sollte einige Zeit im Käfig belassen werden; oft ist es ihm dort langweilig und es bewegt sich nicht so viel.
Wegen der Entzündungsgefahr durch den Staub des Einstreus sollte bis zur Schließung der Wunde das Einstreu und der Inhalt des Schlafhäuschens gegen ungefärbte und ungebleichte Bogen von Papier-Haushaltstüchern (z.B. Zewa) ausgetauscht werden. Vor allem im Häuschen kann man das Papier ruhig mehrlagig verwenden.
Sollte sich die Wunde trotz alledem entzünden kann auch noch „N 300“ (Apis und Hepar sulfuris) verabreicht werden. Dann sollte aber auch ein Tierarzt aufgesucht werden, da nur dieser die notwendige Antibiotika verschreiben und gegebenenfalls verabreichen kann! Hörnchen brauchen in diesem Fall die Unterstützung des Tierarztes, da sie wie die meisten Nager Antibiotika nicht vertragen (Zerstörung der Darmflora) und deswegen ergänzend medikamentiert werden müssen.

3. Prellungen, Verstauchungen, Brüche:

Das betrifft im Allgemeinen hauptsächlich die Füße/Beine. Bei zu gewagten Sprüngen oder durch Abrutschen/ Abstürze und durch Einklemmen kann sich ein Streifenhörnchen auch solche Verletzungen zuziehen.
Das Tier schont dann auffällig den betroffenen Lauf.
Bei Prellungen (Traumata) und Verstauchungen sollte das Tier im Käfig verbleiben, wie bei Wunden auch.
Bewährt hat sich in einem solchen Fall auch die Anwendung von Rotlicht-Wärmelampen.
Ist ein Bruch offensichtlich, bessert sich das Bewegungsverhalten des Tieres nicht nach ein paar wenigen Tagen. Meist verschlechtert sich der Allgemeinzustand des Tieres sogar innerhalb ein kurzen Zeit. Dann ist sofort ein Tierarzt aufzusuchen. Ein Bruch ist nur durch diesen zu behandeln. Dazu muss das Tier geröntgt werden, was aufgrund der dafür notwendigen Narkose ein großes Risiko beinhaltet. Um die Überlebenschancen zu erhöhen, sollte bei einer Verschlechterung sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. Umso kräftiger das Tier, umso besser sind die Aussichten, dem Tier noch helfen zu können.

4. Kahle Stellen im Fell, verlorene Schwanzhaare:

Für kahle Stellen im Fell kann es mehrere Ursachen geben:
– natürlicher Fellwechsel (Jahreszeit bedingt):
Die kahlen Stellen beginnen an den Vorderläufen und „wandern“ nach hinten. Der Kopf ist davon nicht betroffen. Vor allem im Frühjahr und im Frühherbst. Keine Behandlung notwendig.
– Milben, Pilze, Parasiten:
Sollte sich das Hörnchen auf Flächen mit dunkler Oberfläche kratzen, kann man unter Umständen kleine weisliche Schuppen erkennen – allerdings gibt es auch Parasiten, die mit dem bloßen Auge nicht erkennbar sind.
Wenn das Tier auf nachfolgende Grapefruitkern-Extrakt Kur oder auf Heilmittel nicht anspricht oder die kahlen Stellen sogar wachsen ist eine Begutachtung durch den Tierarzt zwingend notwendig.
– Vitaminmangel oder –überschuss:
Hervorgerufen durch Zufuhr von zuviel Obst plus Vitaminpräparaten oder durch Mangel an Vitaminen. Ein kleines Stück Obst täglich sollte es schon sein, allerdings ist ein halber Apfel und ein Vitaminpräparat im Trinkwasser eindeutig zuviel.
Hier hilft in aller erster Linie nur Selbstkritik und Überprüfung des Halterverhaltens. „Zu gut gemeint“ kann auch schlecht sein:

Empfehlung: Zur Unterstützung des Fellwuchses können wir Grapefruitkern-Extrakt empfehlen,
Ca. € 7,– in jeder Apotheke. 1 Tropfen auf 50 ml Wasser täglich über max. 14 Tage.

5. Durchfall:

Es gibt eigentlich nur zwei Ursachen für das Auftreten von Durchfall, den krankheitsbedingten und den ernährungsbedingten Durchfall.
Der Kot von gesunden Tieren ist Pinienkernförmig, dunkelbraun, leicht feucht und wird kleiner, wenn er trocknet.
Gegen Durchfall sollte unbedingt vorgegangen werden, da die Tiere einen sehr knapp bemessenen Wasserhaushalt haben und sich einen größeren Flüssigkeitsverlust nicht leisten können – sie dehydrieren sehr schnell.
– Krankheitsbedingter Durchfall:
Tritt der Durchfall mit anderen Symptomen einer Krankheit (stumpfe oder schläfrige Augen, struppiges Fell, Müdigkeit oder Erschöpfungszustände, Bewegungsauffälligkeiten, Gleichgewichtsstörungen) auf, ist der Gang zum Tierarzt unumgänglich.
Zur Unterstützung der Behandlung kann man dem Tier zusätzlich Wasser mit Kamillentee (gefiltert!) und Zwieback-Stückchen anbieten.
– Ernährungsbedingter Durchfall:
Hier gilt auch, dass eine Selbstüberprüfung der Haltungs- und Fütterungsbedingungen angestrebt werden sollte. Obst, welches auch beim Menschen Durchfall verursachen kann, hat bei Hörnchen meist dieselbe Wirkung. Besonders zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang Apfel, Pflaume und Zwetschge.
Auch von Gemüse ist weitgehend abzuraten, da dieses meist Blähungen verursacht.

6. Diabetes

Vor allem durch falsche Fütterung mit zuckerhaltigen „Leckerlies“ wird oft eine ernährungsbedingte Diabetes hervorgerufen.
Ein auffälliges Symptom ist eine übermäßige Wasseraufnahme.
Eine definitive Erkennung und Behandlung erfolgt einerseits über den Tierarzt, aber auch eine sehr kritische Selbsteinschätzung der Fütterungsgewohnheiten, meist der „Leckerlies“ und „Belohnungen“, ist unabdingbar!
Sollte das Tier über einen auffälligen Zeitraum ungewöhnlich viel trinken ist sofort die Fütterung von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln einzustellen und ein TA zu kontaktieren.
Süßigkeiten sind auf keinen Fall etwas für die Streifenhörnchen.

7. Schnupfen, Niesen:

Auch hier findet man hauptsächlich zwei Ursachen.
Zum einen vertragen Streifenhörnchen keinen Zug. Der Käfig sollte also entweder an zwei aneinander liegenden Seiten geschlossen sein oder aber in einem zugfreien Teil des Raumes stehen. Beim Freilauf wird sich ein Tier kaum erkälten, da es sich nicht an zugigen Stellen länger aufhalten würde.
In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass die Tiere eigentlich den Kontakt mit Wasser meiden. Sollte ein Tier durch Unachtsamkeit oder Unfall dennoch nass werden, bitte dafür sorgen, dass es warm gehalten werden kann und schnell abtrocknet. Eine Infrarotlampe ist hier die einfachste und beste Lösung.
Zum anderen scheinen manche Tiere gegen div. Einstreu, vor allem gegen Kleintierstreu aus Holzspänen eine leichte Allergie zu zeigen, die sich durch Niesen äußert. In dem Fall sollte man einfach das Einstreu variieren. Hanfeinstreu, Maisschaben, Maisstreu, Rindenmulch, fein gehexeltes Stroh bieten Alternativen.
Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass Atemwegserkrankungen und –infektionen neben Unfällen die hauptsächliche Todesursache bei Streifenhörnchen darstellt. Geht das Niesen oder Schnupfen über ein gewisses Maß hinaus (ab und zu) und stellen sich Veränderungen im Blick, Fell oder Verhalten ein kann nur ein Tierarzt, zumeist unter Verwendung von Antibiotika, dem Tier helfen.

8. Unnötige Operationen!!!!!:

Sterilisation, bzw. Kastration ist bei Streifenhörnchen zum einen völlig überflüssig und zum anderen sehr gefährlich für das Tier. Da Sibirische Streifenhörnchen revierbezogene Einzelgänger sind und deswegen auf jeden Fall einzeln gehalten werden sollten ist eine „Geburtenregelung“ recht einfach.
Das meist verfolgte Ziel, nämlich die Aggressionen im Herbst/Winter zu unterbinden werden mit dieser Operation nicht erreicht, da diese nicht mit dem hormongesteuerten Sexualtrieb, sondern mit dem jahreszeitlich bedingten Futtersammeltrieb zusammen hängen.
Allein die notwendige Narkose, aber auch die Operation stellt eine beträchtliche Gefahr dar und sollten nur eingesetzt werden um das Leben des Tieres zu erhalten, nicht um sich das Tier „bequemer“ zu machen!

9. Notfallapotheke:

Diese Notfallapotheke ist subjektiv und beinhaltet das, was wir für unsere Tiere für unabdingbar halte. Auch Gerätschaften sind hier mit aufgeführt.

– Infrarotlampe mit Klemmfassung: das Licht einer Rotlicht- oder Infrarotlampe ist sehr warm und unterstützt den Selbstheilungsprozess. Die Lampe sollte bei jedem erkrankten Tier eingesetzt werden und aufgrund ihrer Wärmeabstrahlung ca. 1m vom Tier aufgestellt werden. (Baumarkt, ca. 15 € komplett)

– Rescue Remedy, auch Notfalltropfen: Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass Tiere immer dann erkranken, wenn kein Tierarzt unverzüglich zu erreichen ist. Mit Verabreichung dieses Medikaments gewinnt man oft ein wenig Zeit. Es ist aber kein Ersatz für einen Tierarztbesuch, sondern stärkt nur vorübergehend die Abwehrkräfte.

– Kamillentee (Wichtig! Muss wegen der Schwebstoffe gefiltert werden, z.B. mit einem Kaffeefilter): Kranke Tiere sollten Wasser mit Kamillentee bekommen. Hilft gegen Durchfall, Erkältungen und stärkt die Widerstandsfähigkeit.

– Babybrei: Geschwächte und abgemagerte Tiere, vor allem in der Krankheits- und Erholungsphase können mit einer Mischung von Babybrei (Getreide und Obst), gemahlenen Nüssen und einem Tropfen Honig oder etwas Traubenzucker (Dextroenergen) aufgepäppelt werden. Dieser Brei kann auch mit einer kleinen Spritze direkt in das Maul gegeben werden.

– Grapefruitkernextrakt: Unterstützt das Fellwachstum und enthält Vitamin C. Entgiftet und entschlackt. Dosierung siehe „Kahle Stellen im Fell“.

– Wundspray: Für kleinere Blessuren, z.B. für Wunddesinfektion „Octenisept“ oder zur Heilunterstützung „Freka-Cid Puderspray“.
Bitte von Mund und Augen unbedingt fernhalten – immer von hinten sprühen!
Salben wie Bepanthen machen nur an Stellen Sinn, die nicht von Fell bedeckt sind (Füße, speziell Sohlen, rasierte OP-Nähte), da das Fell einen großen Teil der Salbe absorbiert.

– Desinfektionsspray: Bei kranken Tieren den Käfig öfter reinigen und gründlich desinfizieren. Auch bei Befall mit Parasiten, Milben und Pilzen. Die Desinfektion des Tieres soll über den Tierarzt erfolgen.

– Des weiteren die im Text aufgeführten Medikamente.

10. Wichtiges zum Abschluss:

Abschließend noch eine Bitte: Kleinnager haben meist nur ein relativ kleines Fenster, in der eine Behandlung schwererer Erkrankungen und Verletzungen möglich ist. Ein Anruf und/oder Besuch beim Tierarzt ist bei beunruhigten Anzeichen immer „Erste Wahl“.
Völlig unsinnig und gefährlich ist eine Fragestellung diesbezüglich in einem Internet-Forum. Für so eine Problemstellung ist das Internet zu langsam und es fehlt dem hilfsbereiten Forumsmitglied auch der augenscheinliche Eindruck, den das Tier bei Betrachtung vermittelt. Es kann einfach vom Zeitpunkt der Fragestellung bis zur Beantwortung der Frage durch ein Forumsmitglied, das sich mit dem Problem auskennt, zu viel Zeit verschwendet werden.
Beschreibungen sind fast immer zu ungenau und unvollständig. Auch ist die Kompetenz des Ratgebenden nur schwer zu erfassen.

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