Gestreifte- und nichtgestreifte Verwandte

 

 

1. Kleinhörnchen:

Streifenbackenhörnchen, Östlicher Chipmunk
Tamias striatus

Der Östliche Chipmunk, Tamias striatus, das einzige Mitglied der Familie des Tamias, ist der amerikanische Verwandte des asiatischen Streifenhörnchens (Eutamias sibiricus). Es gibt weitere Arten von Chipmunks, die allerdings zur Gruppe der Neotamias zugerechnet werden.
Es unterscheidet sich dieser Chipmunk anhand seiner Bezahnung und anhand der Anzahl der Zitzen grundsätzlich von den Eutamias und allen anderen Hörnchenarten. Er besitzt nur zwei, nicht, wie alle anderen Arten, vier vordere Backenzähne im Oberkiefer
Sein Name leitet sich von seiner Lautäusserung, einem „Chip“, ähnlich von Vögeln ab.
Oft wird dieser Chipmunk, das Streifenbackenhörnchen, mit dem Burunduk verwechselt oder in einen Topf geworfen, da sie sich auf den ersten flüchtigen Blick sehr gleichen.
Es gibt aber auch eine Menge augenscheinlicher Unterschiede.
Seine Zeichnung ähnelt nur auf den ersten Blick unserem Sib. Streifenhörnchen.
Das Streifenmuster ist schärfer in seinen Konturen, verläuft etwas anders und unterscheidet sich auch farblich. Das Kopfmuster ist nicht durchgängig bis zum Schwanz sondert bildet nur eine Art Maske um die Augen. Der mittlere Rückenstrich ist dünn und wird von der normalen Fellfarbe braun begrenzt. An den Flanken sind zwei dickere dunkle Streifen, die einen sehr hellen Streifen begrenzen.
Von seinen Lebensgewohnheiten ähnelt der Eastern Chipmunk allerdings unserem Streifenhörnchen wieder sehr. Er ist ebenfalls ein Erdbewohner mit guten Klettereigenschaften, das Nahrungsspektrum ist je nach Verbreitungsgebiet weitgehend gleich und auch er bevorzugt eine Lebensweise in relativ losen Kolonien mit möglichst wenig Kontakt zum Nachbarn.
Allerdings scheint seine Domestizierung noch wesentlich weniger fortgeschritten zu sein wie schon beim erst seit kurzem domestizierten Sib. Streifenhörnchen. So wird berichtet, dass auch in Gefangenschaft gehaltene Chipmunks immer noch die Eingänge Ihrer Schlaf-unterkunft tarnen und dass es nur äußerst erfahrenen Züchter auf diesem Gebiet gelingt die Tiere an den Menschen zu gewöhnen.

Chinesisches Baumstreifenhörnchen
Tamiops swinhoei

Diese Hörnchenart erfreut sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit bei den Haltern.
Vom Äußeren ähnelt das Chinesische Baumstreifenhörnchen, auch Chinesisches Zwergstreifenhörnchen genannt, dem Sibirischen Streifenhörnchen und ist doch leicht zu unterscheiden. Die Kopfform ist runder und das Tier wirkt kompakter, das Fell ist in der Grundfarbe dunkler, was zur Folge hat, dass sich die Streifen nicht so deutlich abheben.
Gewicht und Größe sind fast identisch, nur der Schwanz ist kürzer und kann weder aufgebauscht werden noch scheint dieser eine kommunikative Funktion zu haben wie bei den Burunduks.. (Ich habs überprüft bei Eka und ihren 4 Chinesen – alle über 100 gr.)
Allerdings sind diese beiden Hörnchenarten gar nicht so eng verwandt, wie es zuerst augenscheinlich den Eindruck macht.
Das Baumstreifenhörnchen gehört zu den Baumhörnchen, wogegen das Sib. Streifenhörnchen ein Erdhörnchen ist.
Die grundlegenden Unterschiede liegen im Verhalten und in ihrer sozialen Struktur.
Des Chin. Baumstreifenhörnchen lebt überwiegend auf Bäumen und ist in seinen Kletterkünsten dem doch schon einigermaßen geschickten Burunduk weit überlegen. Oft läuft es kopfüber an der Unterseite von Ästen, eine Fortbewegung, die man normal bei Sib. Streifenhörnchen nicht sieht.
Auch lebt es in sozialen Verbänden als Gruppentier, eine Einzelhaltung, die bei Burunduks fast ausschließlich notwendig ist, ist für dieses Tier völlig unmöglich.
Gruppen von mindesten 4 bis zu 10 Tieren entsprechen ihrem natürlichen sozialen System, wobei die Gruppe mehr weibliche wie männliche Tiere beinhalten sollte. Allerdings wurde uns schon berichtet, dass vor allem während der Aufzucht von Jungtieren die Weibchen sich aus dem Verband isolieren und auch recht aggressiv auf ihre Artgenossen reagieren können.
Die Tiere sind extrem agil und verfügt über einen enormen Bewegungsdrang. Demzufolge ist eine sehr große Voliere also unbedingt notwendig. Selten sieht man diese Hörnchen ruhig stehen, oft „klopft“ es mit den Hinterläufen oder zuckt pausenlos mit dem Schwanz, wenn es mal an einem Platz verharren will.
Da die Chin. Baumstreifenhörnchen sich offensichtlich durch den Geruch als Gruppe identifizieren und sich deswegen mit Urin markieren sind sie nichts für Personen mit einer feinen Nase, am besten man hält sie in großen Freivolieren außerhalb des Hauses.
Da dieses Tier aus Südostasien stammt, ist der Bestandteil von Obst in der Ernährung weit höher wie beim Burunduk aus Sibirien oder Nordjapan.

 

Palmenhörnchen, Palmhörnchen
Funambulus palmarum

Wie der lat. Name sagt, ist das Palmhörnchen auch kein naher Verwandter des Streifenhörnchens, obwohl es je nach Unterart auch 3 – 5 Streifen auf dem Körper besitzt. Die Palmhörnchen stellen eine eigene Familie innerhalb der „Hörnchenartigen“ dar
Es stammt aus Sri Lanka (Ceylon) und Indien.
Es ist etwas leichter und zierlicher wie das Burunduk und lebt im Gegensatz zu seinem nordischen Pendant in Gruppen.
Auch hier ist der Bedarf an Obst und Früchten, sowie Kokosfleisch und anderen südlichen Gewächsen viel höher.
In Sri Lanka selber gelten die frei lebenden Tiere als wenig scheu, sogar als ziemlich lästig, da sie auch in Hotelanlagen eindringen und alles fressbare klauen.
Im Gegensatz dazu scheinen in Gefangenschaft gehaltene Tiere extrem scheu zu sein.
Auch ist Ihre Geruchsentwicklung, wie bei den Chinesischen Baumstreifenhörnchen, ziemlich aufdringlich – etwas, was alle sozialen Gruppen bildenden Hörnchen gemein zu haben scheinen.

  2. Eich- und Schönhörnchen:
Eichhörnchen, Eichkätzchen,
Sciurus vulgaris

Die einzige Hörnchenart, die in Mitteleuropa heimisch ist.
Die Tier sind ca. 4x so schwer und groß wie unsere Streifenhörnchen, erreichen also ein Gewicht von 300 – 500gr. und sind ca. 20cm lang, der Schwanz kann noch mal die gleiche Länge erreichen.
Von rotbraun bis fast schwarz gibt es vielerlei verschiedene Farbschattierungen, wobei der Bauch fast bei allen Farbschlägen weiß ist.
Anders als bei den Burunduks besitzen Eichhörnchen Pinselohren, d.h. sie bilden im Winterfell einen pinselförmigen Haaransatz an den Ohrenspitzen.
Sie gehören zur Familie der Baumhörnchen und haben auch dort ihren Lebensmittelpunkt.
Ihre Nester sind so genannte „Kobel“, fußballgroße Kugeln aus Zweigen, Blättern und ähnlichem Baumaterial.
Die Lebenserwartung liegt bei 10 – 12 Jahren.
Eichhörnchen leben in kleinen sozialen Gruppen in abgegrenzten kleineren Waldgebieten, sozusagen auf „Grünen Inseln“. Da sie freies Gelände scheuen kommt es somit kaum zu einer Vermischung der einzelnen Gruppen und zu einer Blutauffrischung.
Feinde sind alle Arten größerer Raubvögel, Füchse, Luchse und vor allem der Marder, der es als einziger mit den Kletterkünsten eines Eichhörnchens aufnehmen kann.
Selber ernährt sich das Eichhörnchen von Früchten, Obst, Sämereien, Nüssen aber auch von Vogeleiern und anderer Nagerbrut.
Achtung! – Die Haltung von einheimischen Wildtieren, also auch von Eichhörnchen, ist in Deutschland grundsätzlich untersagt und bedarf einer besonderen Genehmigung. Grundsätzlich ist wegen der Größe, dem Bewegungsdrang und den räumlichen Ansprüchen von einer Wohnungshaltung gänzlich abzuraten.
Eine Ausnahme sind „Findelhörnchen“ – aus dem Nest gefallene Jungtiere. In so einem Fall bitte beim Forstamt oder einem Wildpfleger um Rat nachfragen.
Auch findet Ihr in der Literaturliste ein Buch, speziell zur Aufzucht von „Findelhörnchen“: „Zurück in die Freiheit“ von Tanja Nordhaus
Noch sind diese schönen Tiere in ihrem Bestand nicht gefährdet, werden aber vereinzelt, z.B. in England und in Italien durch die eingeschleppten Grau- und Schönhörnchen verdrängt.

Grauhörnchen
Sciurus carolinensis

Das Grauhörnchen stammt ursprünglich aus dem Osten der USA, wobei sich die Bestände verschiedener Unterarten von Canada bis zum Golf von Mexiko finden. Die meisten Arten von Grauhörnchen haben, wie der Name sagt, verschiedene Grautöne als Grundfarbe, allerdings gibt es eine Population in Illinois/USA, die von weißer Farbe ist – hier handelt es sich tatsächlich um eine Farbschlag, nicht um Albinismus.
Obwohl das Grauhörnchen nur unwesentlich größer als das Eichhörnchen ist, ist es fast doppelt so schwer. Es wirkt viel massiger und kräftiger.
Zwischen 1876 und 1929 wurden Grauhörnchen in England zur Bereicherung und „Verschönerung“ der Landschaft eingeführt, was sich als Katastrophe für die ortsansässigen Eichhörnchen und anderer Wildtiere entwickelt hat.
Zum einen machten die wesentlich anpassungsfähigeren und sozialeren Grauhörnchen den Eichhörnchen den Lebensraum streitig, vernichteten durch ihre Eigenschaft Bäume zu entrinden die Lebensgrundlage verschiedener Wildtiere und sind wesentlich „schlauer“ und „unspezialisierter“ um neue Nahrungsquellen zu erschließen.
Ohne die massive Dezimierung der Grauhörnchen ist eine Erhaltung von Laubbaumbeständen und deren forstliche Nutzung in England fast unmöglich.
Vogelhäuschen in England gleichen Hochsicherheitstrakts, damit diese Hörnchenart selbige nicht vor den Vögeln leert – allerdings sind Grauhörnchen immer wieder findig genug, auch die ausgeklügelsten Sicherungssysteme zu umgehen, was für Eichhörnchen nicht mal ansatzweise in Frage kommt.
Sie fressen auch schon z.B. unreife Früchte und Sämereien, wie Eicheln, etwas, was Eichhörnchen nicht können. Bis die Eicheln für die Eichhörnchen genießbar wären haben die Grauhörnchen den Bestand schon vernichtet.
Auch schleppten Grauhörnchen eine Vireninfektion ein, gegenüber der sie selber resistent sind, nicht aber die Eichhörnchen, die Parapoxinfektion.
Inzwischen ist die Population von Eichhörnchen bis auf kleine Gebiete in Schottland, Isle of Man, Wales und abgegrenzten kleinen Wäldchen in Großbritannien praktisch ausgerottet.
Grauhörnchen werden dort bejagt und es wurde auch schon Geld bezahlt für jeden abgegebenen Grauhörnchenschwanz.
Auch in Italien, in der Gegend von Turin sind diese Überlebenskünstler auf dem Vormarsch.
In Deutschland ist die Haltung und Zucht dieser Hörnchen untersagt um einer solchen Katastrophe vorzubeugen.
Empfehlung: „Krieg der Hörnchen“ Film von Angelika Sigl

Prevost-Hörnchen, Flaggenhörnchen
Callosciurus prevosti

Dieses, für Hörnchen ungewöhnlich farbenprächtige Tier, stammt aus den Regenwäldern Indonesiens, Sumatras und Borneos. Anhand der Färbungen kann man einzelne Unterarten, getrennt nach Herkunft, relativ einfach unterscheiden.
Vom Gewicht her entspricht es dem Eich- oder Grauhörnchen, ist aber länger, gestreckter und hat nicht den buschigen Schwanz dieser beiden Arten sondern einen wesentlich längeren glatt behaarten Schwanz, der ausschließlich als Balancierorgan verwendet wird. Prevost-Schönhörnchen scheinen laut Literatur sowohl, wie die meisten Baumhörnchen als Einzelgänger zu leben sowie auch in kleinen Familienverbänden. Vor allem Anfängern ist aber aufgrund der Übersichtlichkeit eine Einzelhaltung zu empfehlen.
Es sind, wie unsere Streifenhörnchen auch, „überzeugte“ Einzelgänger.
Da sie aus dem tropischen Raum kommen, sind sie eigentlich nur, wenn überhaupt, für eine Wohnungshaltung geeignet. Sie benötigen eine Durchschnittstemperatur von ca. 20 Grad Celsius.
Wie alle Schönhörnchen halten sie keine Winterruhe.
Prevost Schönhörnchen sind fast ausschließlich Baumbewohner und halten sich ungern am Boden auf. Es sind extrem geschickte Kletterer die als Besonderheit ihre Hinterfüße beim Abwärtsklettern um volle 180° drehen können, damit die Krallen in die Rinde besser einhakt.
Ihr Platzbedarf ist enorm und benötigt viel Kletterfläche.
Sollte sich jemand dennoch für so ein Tier interessieren ist gründliche Information im Vorfeld unbedingt nötig, da wahrscheinlich nur die wenigsten Tierärzte so ein Tier schon überhaupt einmal gesehen haben.
Das gilt noch mehr für das folgende Schönhörnchen, das noch seltener als „Haustier“ sein dürfte, das …

 

Finlayson-Schönhörnchen
Callosciurus finlaysoni

Das Finlayson Schönhörnchen kommt, wie alle Schönhörnchenarten, aus den Regenwäldern Indonesiens und angrenzender Inseln.
Es ist im Allgemeinen Einfarbig, manche Unterarten besitzen einen hellen Ring am Schwanz.
Ansonsten ähnelt es einem Eichhörnchen, es besitzt allerdings weder die Pinsel an den Ohren noch ist der Bauch weiß. Die Fellfarbe (von hellbraun bis schwarz) erstreckt sich über das ganze Tier.
Obwohl in den uns bekannten Foren immer wieder solche Tiere zur Haltung gesucht werden können wir nur eindringlich davon abraten.
Sowohl im Internet als auch in der Literatur ist dieses Tier kaum erwähnt und somit ist es wohl weitgehend unmöglich sich sicher über dessen Bedürfnisse zu informieren.

 

3. Besondere Arten:

  Assapan, Nordamerikanisches Zwerggleithörnchen
Glaucomys volans

Das einzige wirkliche Hörnchen dieser Gruppe. „Erfreute“ sich bis vor einigen Jahren ständig wachsender Beliebtheit bei den Haltern die aber inzwischen wieder völlig von den „kleinen Stinktieren“ abgekommen sind. Da es ebenfalls ein Gruppentier ist haben wir auch hier wieder die Geruchsbelästigung.
Diese Hörnchenart ist, wie an den großen Augen unschwer zu erkennen, dämmerungs- und nachtaktiv und nur mindestens paarweise zu halten.
Ihre Gleitfähigkeit haben sie von einem Hautlappen, der zwischen Hinter- und Vorderläufe verläuft und sich spannt, wenn sie während dem Sprung diese vom Körper abspreizen.
Der abgeflachte Schwanz dient dann als Steuerruder.
Sein Habitat ist der Südosten der USA und Mexiko.
Das Assapan gehört zu den wenigen Säugetierarten, die gewisse Flugeigenschaften entwickelt haben, wenn auch nicht so weit wie die Flattertiere (Fledermäuse).
Ihr Gleitwinkel liegt normal bei 3 / 1, das bedeutet auf 3 m Flugweite haben sie einen Meter Höhenverlust.
Bei günstigem Wind und ausreichender Absprunghöhe können sie so zwischen 10 und 50m schwebend zurücklegen. Gegenüber dem Hauptfeind der Hörnchen, dem Marder, ist das ein großer Vorteil, gegenüber Eulen dürfte diese Eigenschaft entgegen so mancher Behauptung in der Literatur keine Vorteile bringen.
Empfehlung: http://www.tierenzyklopaedie.de/tiere/assapan.html
Eine Seite mit ersten Informationen zu diesen besonderen Hörnchen

  Kurzkopf-Gleitbeutler, Sugar Glider
Petaurus breviceps

Der Sugar Glider wird fälschlicher Weise oft für ein Gleit- oder Flughörnchen gehalten, gehört aber zur Familie der Gleitbeutler Petauridae, einer Unterart der Beuteltiere und ist somit gar nicht mit den Hörnchen verwandt. Eigentlich sind es Oppossums und wie diese nachtaktiv.
Sie leben, wie fast alle anderen Beuteltiere auch, in Australien, Tasmanien, Indonesien und Neu Guinea.
Ihre Ernährung ist mehr auf tierisches Eiweiß ausgerichtet, ein Grund der erklärt, dass sie noch weit weniger für eine Wohnungshaltung geeignet sind wie Gruppenhörnchen. Der Geruch ist „atemberaubend“!
Für Leute mit Platz sind es aber sicher sehr interessante Tiere die sich aufgrund ansteigender Nachfrage inzwischen einen festen Platz im Handel erobert haben.
Auch findet sich inzwischen ein gewisses Angebot an Literatur und Internet-Information und auch der ein oder andere Tierarzt wird nicht gleich überfordert sein, wenn man mit so einem Tier kommen muß.
Empfehlung: http://www.sugarglider.de
Eine Seite mit Informationen und Literaturempfehlungen zu diesen Beuteltieren.