Leider ist es nicht einfach die Gefährdung aufgrund einer Krankheit, bzw. beim Auftreten von krankheitsspezifischen Symptomen, selber zu beurteilen.
Deswegen gilt unbedingt und ohne Einschränkung:

Lieber einmal zu früh oder einmal zu oft zum Tierarzt, als zu spät oder in Verkennung der Situation gar nicht.

Aufgrund einer stabilen Konstitution werden die Tiere zwar selten krank, sollte dieser Fall aber eintreten kommt es sehr schnell zu ausweglosen Situationen.

Die hier aufgeführten Krankheiten sind alle schwerwiegend und die empfohlenen Maßnahmen nur im Zusammenhang mit einem sofortigen Tierarztbesuch sinnvoll.

Für kleinere Missgeschicke oder Störungen haben wir eine Notfallseite angegliedert.
Namen von Medikamenten werden hier nicht genannt. Das kann nur ein Tierarzt entscheiden.

 

Die hier aufgeführten Krankheiten sind:

1. Atemwegserkrankungen
2. Bisswunden durch Katzen oder Hunde
3. Frakturen, Brüche
4. Kokizidien
5. Kopfverletzungen durch Sturz
6. Naßschwanzkrankheit; „Wet Tail Disease“
7. Vergiftungen
8. Zahnmißbildungen, Zahnfehlstellungen

9. Übertragung Mensch./.Hörnchen oder Hörnchen./.Mensch

1. Atemwegserkrankungen:

Erkennbar aufgrund von Mattigkeit, Freßunlust, Niesen, Nasenausfluß und Atemgeräusche.
Ursachen sind im Allgemeinen Zugluft, Erkältungen und Infektionen.
Hier muss schon allein zur Feststellung der Ursache ein Tierarzt aufgesucht werden und subjektiv die Möglichkeit „Zugluft“ selbstkritisch überprüft werden.
Atemwegserkrankungen sind mit den Unfallverletzungen die häufigste Todesursache und somit nicht zu unterschätzen!
Meist ist die Gabe von einem Antibiotikum und das Wärmen des Tieres mit einer Infrarot-Wärmelampe angezeigt.

2. Bisswunden durch Katzen oder Hunde:

Leider ist es verschiedenen Haltern nicht begreiflich zu machen, dass Raub- und Beutetiere sich eigentlich ausschließen sollten. Nur deswegen ist diese Rubrik überhaupt notwendig.
Sowohl im Katzen-, als auch im Hundespeichel befinden sich Bakterien, die Pasteurellen. Diese sind für Wirbeltiere tödlich.
Die Wunde entzündet sich oder es bildet sich, erkennbar an der „Beule“ ein eitriger Abszess.
Hier muss ein Tierarzt schnellst möglich ein Breitbandantibiotikum verabreichen. Der Abszess wird im Allgemeinen geöffnet und ausgepinselt.

3. Frakturen, Brüche:

Ist ein Arm oder ein Bein betroffen unterscheidet man in zwei Kategorien, den geschlossenen Bruch und den Splitterbruch.
Bei einem geschlossenen Bruch schont das Tier z.B. das Bein und hat bei jeder Berührung Schmerzen. Auch ist die Bruchstelle geschwollen.
Im Normalfall wächst so eine Bruchstelle innerhalb von 10 Tagen zusammen und ist ausgeheilt wenn ein Tierarzt mit geeigneten Untersuchungen und Medikamenten dieses feststellt und behandelt.
Bei einem Splitterbruch gibt die einschlägige Literatur nur die Empfehlung das Tier schnell und schmerzfrei einzuschläfern.
Das Anbringen einer Schiene oder eines Verbandes ist quasi unmöglich, zum Einen würde das Streifenhörnchen diese Maßnahmen entfernen, zum Anderen haben wir auch schon von Fällen gelesen, bei denen die betroffenen Extremitäten unter dem Verband buchstäblich weggefault sind.

4. Kokizidien:

Kokizidien sind Einzeller, die den Magen-Darm-Trakt parasitär befallen.
Symptome sind blutiger, wässriger Durchfall, aufgeblähter Bauch, schlechter Gesamtzustand und teilweise Lähmungen der Hinterläufe.
Das Tier verstirbt im Allgemeinen am Wasserverlust (Dehydration).
Eine Feststellung ist über die Kotprobe möglich.
Nur bei einer sofortigen Behandlung besteht eine Möglichkeit, das Tier zu retten.

5. Kopfverletzungen durch Sturz:

Die Gefahr hier ist eine Schwellung des Gehirns, das Schädelhirntraumata oder eine Gehirnerschütterung.
Erkennbare Anzeichen ist eine schiefe Haltung des Kopfes, Taumeln (Gleichgewichtsstörung), Apathie, Bewusstlosigkeit und sogar Anfälle von Epilepsie.
Nur ein Tierarzt hat bei diesen Anzeichen noch eine Chance, das Tier zu retten oder die Folgen einer chronischen Erkrankung wie die Epilepsie für das Streifenhörnchen mit Hilfen von Medikamenten erträglich zu gestalten.

6. Naßschwanzkrankheit; „Wet Tail Disease“:

Diese meist tödliche Krankheit hat ihre Ursachen meist im Fehlverhalten des Halters:
Ursachen sind:

<<Streß jeglicher Art, soziale Spannungen bei vergesellschafteten Hörnchen, Verfolgung durch Feinde oder feindlich gesonnen Artgenossen, Umstellung im Hinblick auf Umgebung und Ernährung.>> (Zitat 2).

Das Hörnchen liegt im Allgemeinen apathisch am Boden und dünnflüssiger Durchfall durchnässt das Hinterteil.
Empfohlen wird eine Ernährung mit Zwieback und abgekochten Trinkwasser (mit Kamillosan-Tropfen) sowie eine vorsichtige Reinigung des Hinterteils mit lauwarmen Wasser und Babyreinigungstüchern.

Diese Krankheit ist hausgemacht – das bedeutet, der Verursacher ist keine Bakterie oder Viren, der Verursacher ist der Halter!

7. Vergiftungen:

Verursacht meist durch Giftpflanzen, Haushaltsreiniger, Medikamente – durch Unachtsamkeit des Halters!
Unter Umständen kann ein TA durch die umgehende Gabe von Salzwasser oder Paraffinöl das Tier retten.
Aber auch hier gilt wie bei „Wet Tail Disease“, die Verantwortung für dieses Ereignis trägt einzig und allein der Halter!

8. Zahnmißbildungen, Zahnfehlstellungen:

Eine „Krankheit“ die, wie bei allen Nagern, entweder genetisch, also erblich bedingt ist oder nach einer Kieferverletzung auftreten kann.
Die Schwere der Fehlstellung muss durch einen Tierarzt begutachtet werden. Oft kann man dem Tier durch regelmäßiges Kürzen der Zähne ein annährend normales Leben bescheren.
Sollte die Fehlstellung oder Missbildung so schwerwiegend sein, dass eine Nahrungsaufnahme quasi nicht mehr selbstständig möglich ist oder sollte das Tier die regelmäßige Kürzung der Zähne augenscheinlich nicht ertragen (siehe Punkt 5) ist über eine Euthanasie nachzudenken.
In der Zucht haben solche Tiere nichts zu suchen.

9. Übertragung Mensch./.Hörnchen oder Hörnchen./.Mensch

Eines vorneweg, so weit es bisher bekannt ist, können wir das Streifenhörnchen nicht direkt mit Grippe, grippalen Infekten, Angina oder den anderen verbreiteten Infektionskrankheiten anstecken.
Allerdings ist bei einer Krankheit unsererseits eine gewisse zusätzliche Hygiene ratsam. „Gebrauchte“ Taschentücher werden vom Hörnchen, genau wie frische Taschentücher, als Nistmaterial eingestuft; der Schleim darin aber ist, vor allem in der Wärme des Häuschens, ein geradezu idealer Nährboden für jede Art von Keimen.
Das man das Tier nicht direkt anhusten oder -niesen sollte, ist wohl selbstverständlich.
Milben, Pilze und andere Parasiten werden oft von uns Menschen mit der Kleidung oder über nicht sachgerecht gelagertes Futter eingeschleppt – vermeiden wird man das wahrscheinlich nie können, aber frühzeitiges Erkennen und Behandeln ist bei einiger Aufmerksamkeit (vermehrtes Kratzen, wunde Stellen, Haarausfall) möglich – bitte den Tierarzt kontaktieren, nur dieser kann meist den genauen Parasit ausmachen und zielgerichtet eine Behandlung einleiten!

Etwas anderes ist der umgekehrte Weg, also vom Hörnchen auf den Menschen.
Da einige Hörnchen, zumindest zeitweise, nicht nur gerne sondern auch sehr kräftig zubeißen, kann eine Tetanusimpfung nur wärmstens empfohlen werden (eigentlich schadet so etwas generell nicht!)

Des Weiteren ist eine Übertragung des Spulwurms, Askariasis, über den Speichel der Hörnchen möglich. Dieser Befall ist unbehandelt für das Tier tödlich (Diagnose durch Kotprobe bei schlechtem Gesundheitszustand) und für den Menschen sehr unangenehm. Auch alle anderen Wirbeltiere im Haushalt können bei Kontakt mit dem Speichel, Kot oder Schleimhäuten befallen werden.

Die Nager- oder Hasenpest, Tularämie, wird von jeder Art von Nagern auf den Menschen übertragen. In Europa wurde die letzte Epidemie Anfang 2000 im Kosovo beobachtet. Aber auch in Deutschland werden jährlich zwischen 2 und 10 Fälle festgestellt, bei einer hohen Dunkelziffer.
Bekannt sind ca. 70 Wirbeltiere außer dem Menschen, die von Nagern angesteckt werden können, darunter die Haustiere Rind, Schaf, Schwein (Landwirtschaft) und Hund, Katze, Frettchen (Haushalt).
Unbehandelt liegt bei der „Inneren Tularämie“ ( Lungenentzündung, thyphusähnliches Krankheitsbild) die Sterblichkeit beim Menschen bei 5%, die „Äußere Tularämie“ist zwar unangenehm (Schwellung betroffener Lymphknoten, Fieber) aber ungefährlich.

 

Weitere schwerwiegende Erkrankungen sind Tumore (Feststellung über Schwellungen und Gewebeproben) und ein paar wenige weitere Viren deren Befall im Allgemeinen zum Tode führt.
Hier wird der Tierarzt immer das Einschläfern empfehlen.
Wir können niemand diese Entscheidung abnehmen, möchten aber, auch aus eigener trauriger Erfahrung zu bedenken geben, dass es sowohl in erster Linie für das Tier als auch für den Halter grausam ist, das langsame Sterben zu erleben.