Vor der Anschaffung:

Sollte die Entscheidung zugunsten eines Streifenhörnchens gefallen sein, geht es in die Vorbereitungsphase.
Leider sehen wir immer wieder Kunden im Zoofachgeschäft, die den Laden mit einer Komplettausstattung und einer kleinen grünen Schachtel, die das Tier beinhaltet, verlassen.
Das ist bei Streifenhörnchen völliger Unsinn.
Streifenhörnchen bilden Reviere, die wenig Veränderungen unterworfen sind. Das heißt, ein Umzug bedeutet immer einen gewissen Stress, der nicht kleiner wird, wenn in der Eingewöhnungsphase ständig im Käfig herumgebastelt wird und das Tier erst mal unnötig lange Zeit in der Schachtel oder einem kleinen Transportkäfig verbleibt bis das neue Heim aufgebaut und mehr schlecht als recht eingerichtet ist..
Es ist am Besten für das Tier, wenn es nach einem möglichst kurzem Transport gleich in einen weitgehend fertigen Käfig gesetzt werden kann und dort erst mal die Ruhe findet, die es benötigt, um sich einzugewöhnen.
Damit sich das Tier wohl fühlt, beziehungsweise die nötigen Begebenheiten vorfindet, ist einiges an Vorbereitung nötig.

1. Information:

Der zukünftige Hörnchenhalter sollte sich im Vorfeld über das Tier informieren. Standard ist das neue Streifenhörnchenbuch von GU: Alexandra Beisswenger ISBN: 978-3-8338-0183-9
Zur Information gehört auch die Suche nach einem geeigneten Tierarzt, der Erfahrung mit dieser nicht so verbreiteten Art von Nagetieren hat. Wenn ein solcher benötigt wird, ist es aufgrund des meist heftigen und schnellen Verlaufs der Erkrankungen meist zu spät erst dann einen geeigneten Tierarzt zu suchen wie wir leider schon erfahren mussten.

2. Der Käfig, die Voliere:

Da das sibirische Streifenhörnchen ein absoluter Einzelgänger ist, gehen wir bei den Empfehlungen selbstverständlich von einem Einzeltier aus!
Für ein Tier findet man verschiedene Mindestanforderungen.
Oft wird der größte handelsübliche Wannenkäfig (80cm x 60cm x 110 cm) empfohlen, dieser ist absolut unzureichend!
Grundsätzlich sollte eine Voliere die Größe von 100 cm x 60 cm x 200 cm nicht unterschreiten! Und auch hier gilt: um so größer um so besser.

Natürlich kann man auch mit etwas handwerklichem Geschick selber einen Käfig bauen was aber natürlich die geforderten Mindestmasse nicht berührt.
Vorteile eines gekauften Käfigs sind die einfache Handhabung und die erleichtere Hygiene durch die verwendeten Materialien Metall und Kunststoff. Nachteile sind der hohe Preis und die geringe Flexibilität sowie vor allem bei Kunststoffwannen eine gewisse Gefahr durch das Benagen der Ränder. Mit einem selbstgebauten Käfig kann man natürlich auch den vorhandenen Platz wesentlich besser nutzen.
Bei einem gekauften Käfig oder einer gekauften Voliere, sollte man Fabrikate mit quer verlaufender Vergitterung bevorzugen, das erleichtert dem Tier das Klettern.

Volierengitter: Wir empfehlen beim Selbstbau Edelstahlgitter zu verwenden. Es gibt immer mehr nachgewiesene Fälle bei Streifis die an den Folgen einer Zinkvergiftung duch den verzinkten Volierendraht gestorben sind. Bei der Vogelhaltung ist dieses Problem schon länger bekannt und auch wissenschaftlich untersucht.

3. Der Ort / Platz

Auch der Platz, an dem das neue Heim aufgestellt werden soll, spielt eine gewisse Rolle. Wie Ihr schon im Vorfeld erfahren habt, bevorzugt das tagaktive Tier die schattigen Wälder der nördlichen Hemisphäre, das bedeutet, der Käfig sollte hell, aber nicht vollständig in der Sonne stehen.
Dann muss der Käfig geschützt vor Zug stehen – das ist Gift für das Tier. Entweder ist der Platz geschützt oder man hat den Käfig durch Anbringen eines Windschutzes den Gegebenheiten anzupassen.
Probleme stellen Dachmansarden aufgrund der starken Aufheizung im Sommer dar. Hat man ausschließlich ungewöhnlich heiße Räumlichkeiten sind diese für ein solches Tier nicht geeignet. Die Streifenhörnchen haben einen sehr engen Wasserhaushalt und dehydrieren sehr schnell, Hitzeschlag oder Nierenversagen sind vorprogrammiert.
Mit Kälte haben Burunduks wesentlich weniger Probleme.
Hörnchen sind zwar relativ unempfindlich, was Lärm angeht, aber es sollte, vor allem am Anfang, nicht gerade ein Platz gewählt werden an dem hoher Durchgangsverkehr herrscht oder die Stereoanlage am Anschlag dröhnt.
Auch vom Fernsehgerät ist ein gewisser Abstand angezeigt. Die Geräte geben einen, durch das Induktionsfeld hervorgerufen, hochfrequenten Ton ab, der zwar für uns Menschen nicht wahrnehmbar ist, für die Hörnchen aber ein Qual darstellt. 3 m Abstand wäre ideal.
Völlig ungeeignet als Standort sind Küchen. Die Verletzungsgefahr, die Vergiftungsgefahr und die Belästigung mit Gerüchen disqualifizieren diesen Standort . Sollte das Tier aus dem Käfig kommen kann es leicht hinter die Einbaumöbel kommen, was größere Baumaßnahmen zur Folge hat. Heiße Herdplatten, Schneidegeräte, ungeeignete Nahrung, Dämmstoffe, z.B. im Herd, Fettablagerungen hinter den Geräten usw. – die Küche und auch das Bad (zusätzlich Ertrinken im WC) sind völlig ungeeignet!

4. Einrichtung

Hier wird erst mal nur die benötigte Grundeinrichtung beschrieben – der Phantasie sind darüber hinaus keine Grenzen gesetzt.

- Häuschen: Mindestens zwei Stück, möglichst in verschiedenen Höhen angebracht. Bewährt haben sich so genannte Vogelnistkästen aus Holz (Grüße 21cm x 12,5cm x 13cm mit aufklappbarem Deckel und einem Einstiegsloch von ca. 5 cm Durchmesser). Eine Versiegelung des Holzes kann man durch Bienenwachs erzielen, da manche Tiere nicht gerade stubenrein sind.

- Einstreu: Im Handel gibt es verschiedene Möglichkeiten. Verbreitet ist das Kleintierstreu aus Holzspänen. Alternativen sind Hanfeinstreu, Mais- oder Holzschaben, Korkgranulat, Heckselstroh, Rindenmulch und Erde (ungedüngt).
Manche Tiere reagieren mit einer leichten Allergie, die sich durch Schnupfen äußert, auf das ein oder andere Einstreu, dann muss man eine Alternative testen.
Man kann über das Einstreu noch eine Schicht mit Rindenstückchen legen, dann entspricht der Boden mehr der natürlichen Umgebung von Hörnchen.

- Kletteräste: Unsere Burunduks sind Kletterkünstler. Einige 2 – 3 cm starke Äste dürfen horizontal, vertikal und diagonal fest im Käfig verankert werden.
Selbst gesammelte Äste bitte erst heiß abwaschen, vielleicht desinfizieren.
Wer die Möglichkeit hat, kann die Äste Dampf strahlen, das wäre optimal.
Es bieten sich alle Laubbaumsorten außer Eiche und Walnuss (Gerbsäure) und Steinobst wie Kirsche (geringe Spuren „Amygdalin“, näheres darüber unter „Häufige Fragen“ – „Mandel“, in der Rinde) an.
Nadelbaum ist meist zu weich und zu harzig.
Zusätzlich, kann man starke Seile aus Naturfaser oder andere Klettermöglichkeiten anbieten.

- Aussichtsplattformen, Sitzbretter: In verschiedenen Höhen sollten entweder Sitzbretter oder kleine Plattformen montiert werden, da es der Natur des Tieres entspricht von erhöhten Aussichtsplattformen entweder „Wache“ zu halten oder lang ausgestreckt zu dösen. Auch sind das die bevorzugten Freßplätze.

- Bodengestaltung: Burunduks sind Erdhörnchen und lieben kleine Unterschlüpfe am Boden. Keramikblumentöpfe mit Eingang, Holzkistchen, Korktunnel, Wurzeln, Weidentunnel u.s.w. werden gern angenommen. Eines unserer Tiere bevorzugt einen kleinen Heuhaufen, in den es sich eine Höhle baut.

- Erde, Sand: Da die Tiere gerne graben ist ein größerer Topf mit Erde gerne gesehen, z.B. ein großer Terracottatopf. Nicht bis ganz oben füllen. Die Erde fliegt sonst im hohen Bogen durch die Wohnung.
Ein kleineres Gefäß mit Chinchillasand wird gern zur Körperhygiene genutzt – was für uns Wasser und Seife ist für Hörnchen ein Sandbad.

Natürlich gibt es noch viele andere Dinge, die unseren Tieren gefallen wie z.B. Hängematten, Weiden- und Hängebrücken und Schaukeln.
Von allen lackierten Hölzern und den ihm Handel angebotenen Strohnestern raten wir ab. Die Letzteren werden meist von einem rostigen Drahtgestell zusammengehalten.
Ganz abzuraten ist auch von Laufrädern. Zum einen entspricht der eintönig verlaufende Geradeauslauf nicht dem natürlichen Bewegungsablauf dieser Tiere und zweitens wurde beobachtet, dass die Tiere in eine Art Rausch verfallen und sich selber buchstäblich zu Tode hetzen. Auch das im Handel angebotene bunte Plastikspielzeug hat nichts in einem Nagerkäfig verloren, sogenannte Laufkugeln für Hamster z.B. darf man sogar mit Fug und Recht als Tierquälerei bezeichnen.

5. Ernährung und benötigte Gefäße: Dazu hielten wir es für nötig ein eigenes Kapitel zu verfassen.

 

Wenn das Hörnchen da ist

Ist nach eigener Überprüfung und der Vorbereitung das Tier endlich da spalten sich unsere Empfehlungen in drei Bereiche, die Herkunft, die Eingewöhnungsphase und die Routinearbeiten.
Beginnen wollen wir mit der Herkunft der Tiere.
Dann folgen Tipps, die dem Tier, aber auch dem Halter, die Gewöhnung aneinander erleichtern sollen.
Abschließend werden wir die immer wiederkehrenden Aufgaben vorstellen, wobei die Zeitangaben nicht absolut bindend sind, da die Tiere ein ausgeprägt individuelles Verhalten besitzen.

Woher nehme ich ein Tier?

Eigentlich gibt es vier Quellen, die geeignet sind ein Tier zu erhalten. Im Gegensatz zu einer verbreiteten Meinung haben alle Herkunftsquellen sowohl Vor- als Nachteile.
Wir haben versucht, diese nach Frequentierung zu ordnen, die Reihenfolge stellt also keine Wertung unsererseits dar, die ist nur im Text zu finden!

1. Zoofachhandel:

Sehr umstritten aber oft besser wie sein Ruf. Auf jeden Fall haben viele zukünftige Halter Ihren ersten Kontakt mit diesen Tieren bei einem Besuch in einem Zoofachgeschäft.
Den betreffenden Laden zu beurteilen ist jedem sehr einfach möglich. Man begutachtet die Sauberkeit, den Zustand der Tiere, die Größe und Lage der Käfige und das „Sortiment" bezogen auf die Größe des Ladens.
Auch sollte man ruhig mal ein paar Fragen stellen über Dinge, die man schon über das Tier weiß um die Kompetenz des beratenden Verkäufers zu prüfen und gegebenenfalls einen „Fachmann“ verlangen. Ist so einer nicht vorhanden – Finger weg!
Sauberkeit, bzw. Hygiene ist augenscheinlich und leicht zu überprüfen.
Zur Beurteilung der Tiere braucht man schon etwas mehr Zeit. Dabei sollte man auch mehrere Tierarten unter die Lupe nehmen, nicht das sich ein Händler um eine besondere Gattung aus „Sympathie“ oder wegen gesteigerter Nachfrage besonders kümmert und andere vernachlässigt.

Wichtige Fragen zu Beurteilung sind:
- wirken einzelne oder mehrere Tiere apathisch oder sind gar verletzt? (Bitte nicht übertreiben, nachtaktive Tiere wie Hamster und Mäuse sind tagsüber nicht wirklich agil).

- Sind Freßfeinde dicht beieinander angesiedelt? Ein Kleinnager hat neben einem marderartigen Raubtier (z.B. Frettchen) nichts zu suchen.

- Sollte man ein verletztes Tier entdecken, was immer mal passieren kann; wie reagiert der Verkäufer, wenn man ihn informiert? Es muss nicht sein, dass dieser sofort alles stehen und liegen lässt, das kommt auf das Tier und die Schwere der Verletzung an. Aber er würde einem erklären warum und was er in diesem Fall macht.

- Wie sind die Käfige, Terrarien oder Aquarien gestaltet? Es muss keine vollständige Erlebnislandschaft sein, aber z.B. bei Hörnchen ist ein wenig Einstreu, Plastikfutterschüssel und ein Häuschen auf dem Boden einfach zu wenig!
Bitte die Käfiggröße nicht anhand unseren Angaben überprüfen – für den Handel gelten ganz andere Vorgaben, da nur eine temporäre (zeitweise) Unterbringung angedacht ist.

Wer seinen neuen Hausgenossen an einem Samstagvormittag holt ist selber schuld, wenn er nicht beraten wird. Da ist, vor allem in größeren Geschäften, die Hölle los und die Angestellten, zum Teil zu Recht, sehr genervt.
Kein Vertrauen haben wir in Geschäfte, die viele verschiedenem Tiere in engsten Raumverhältnissen mit max. einem Angestellten anbieten. Das wirkt immer so, als springe der Händler auf jeden Zug bezügliche der Haustiere auf. Und kaum jemand kann allein Fachmann für Reptilien, Fische, Vögel, Spinnen, Kleinnager, Frettchen,….. sein.
Ein Vorteil des Zoofachhandels ist, soweit er als ordentlich empfunden wird, dass alle Dinge, die man in Zukunft brauchen wird, wie Futter, Heilmittel, Ausrüstung, Einstreu zentral besorgt werden können. Ein guter Händler bestellt auch mal etwas außer der Reihe, was er eigentlich nicht in seinem eigentlichen Sortiment führt.
Auch liegt, zumindest in Ballungsräumen, ein gut geführter Laden meist in der Nähe. Die Transportwege sind kurz.
Nicht verschwiegen soll werden, dass der gewerbliche Handel meist in der oberen Preiskategorie mit ca. € 70,-- pro naturfarbenen Tier liegt.

2. Züchter:

Mit Sicherheit die beliebteste Bezugsquelle ist der Züchter. Allerdings gibt es auch hier, wie beim Handel, schwarze Schafe. Uns sind Züchter bekannt, bei denen sich der Eindruck aufdrängt, dass kommerzielle Interessen stark im Vordergrund stehen. Ein deutliches Indiz sind falsche Beratung (wie z.B. die angeratene paarweise Haltung) oder den Versuch unnötige Equipments (z.B. Laufräder) gleich mit zu verkaufen.
Eine Liste solcher Züchter ist allerdings aus rechtlichen Gründen nicht möglich.
Abgesehen von diesen wenigen schwarzen Schafen ist der große Vorteil die fachbezogene Kompetenz.
Zur Beurteilung gelten die üblichen Kriterien wie Hygiene und Haltungsbedingungen, als auch die Zeit, die sich ein Verkäufer für den Kunden nimmt. Einfach ein Tier aus dem Gehege nehmen, dem Kunden in die Hand drücken, das Geld kassieren und „Auf Wiedersehen“ sagen – das kann es nicht sein!
Da die Züchter nicht so häufig sind, sind lange Transportwege zu berücksichtigen. Manche Händler bieten einen Transport mit Tierspeditionen innerhalb von 24 Std. an. Das ist, wenn überhaupt, nur anzuraten bei Händlern mit einem sehr guten Ruf da die augenscheinliche Überprüfung der Haltungsbedingungen entfällt (eine Homepage ist sehr geduldig!). Aber generell wollen wir diese oft sehr kompetenten Tierspeditionen nicht verteufeln; eine Reise in einem nicht klimatisierten Auto bei 30 Grad über mehrere Stunden ist nicht besser!
Preislich liegen diese meist etwas unter dem gewerblichen Händler.

3. Privat-/Kleinzüchter:

Das sind private Halter und Tierliebhaber mit 2 oder wenig mehr Tieren.
Bei nur zwei Tieren ist von Zucht, also einer selektiven Auswahl und Förderung von erwünschten Eigenschaften sowie der Verhinderung von Unerwünschtem, nicht zu reden. Das ist einfache Fortpflanzung.
Auch besteht hier nach unseren Erfahrungen das größte Informationsdefizit. In den verschiedenen Foren hatten wir schon solche Spezialisten, die nicht mal wussten welches Geschlecht die Elterntiere hatten oder die mit der Frage: „Hilfe, ich habe Junge“ sich nach der Geburt anfingen zu informieren, was jetzt zu beachten sei!
Und das war und sind leider keine Einzelfälle.
Preislich sind hier die größten Spannweiten, zwischen € 40,-- und € 90,--.
Bei den teuren Tieren liegt ein vordergründiges finanzielles Interesse nahe, ist aber auch regional begründet.
In diesem Bereich wird auch am meisten mit Farbschlägen (Albino, albinoartig und zimtfarben) herum experimentiert und leider –gepfuscht.
Die genetischen Defekte, vor allem bei albinoartigen Tiere (Augen- und Gehörprobleme sowie mangelnden Gesundheit), werden hauptsächlich nur noch von Geschäftemachern und Unverbesserlichen bestritten. Nicht einmal eine handvoll erfahrener Züchter nehmen wir hiervon ausdrücklich aus, auch wenn man über Sinn oder Unsinn dieser Spielart der Natur als Zuchtrichtung unterschiedlicher Meinung sein kann. In freier Wildbahn hätten diese Tiere aufgrund fehlender Tarnung keine Überlebenschance..
Da auch zimtfarbene Tiere einen weit höheren Preis erzielen ist die Verlockung der In- und Linienzucht mit auf Dauer verheerenden Folgen sehr groß.

4. Tierheim:

Völlig zu Unrecht etwas vergessen, vor allem für erwachsene Anfänger. Natürlich ist das Alter der dort erhältlichen Tiere oft schwer zu schätzen. Aber im günstigsten Fall bekommt man ein Tier, dass einem jahrelang Freude bereitet, im schlimmsten Fall beschert man einem abgeschobenen oder entlaufenem Tier noch ein paar Monate oder wenige Jahre einen schönen Lebensabend und lernt dabei viel über diese Tiere, was einem bei einer nachfolgenden Anschaffung eines Jungtieres mit Sicherheit zu gute kommt!
Eine tierärztliche Untersuchung der Tiere ist beim Zugang ins Tierheim Pflicht.

Eingewöhnungsphase:

Wie schon verschiedentlich festgestellt, ist das Burunduk ein revierbildendes Hörnchen, das immer noch wenig domestiziert ist. Daraus folgt, dass man den Tier die Möglichkeit geben muss, seinen Käfig/seine Voliere in Besitz zu nehmen und sich an den Menschen zu gewöhnen.
Unsere Kleinen sind keine Intelligenzbestien, was bedeutet, dass dieser Vorgang einige Zeit in Anspruch nehmen kann.
Hat man den neuen Hausgenossen in seine weitgehend fertige Voliere gesetzt, sollte es dort über mehrere Wochen verbleiben. Als Faustregel werden oft 6 bis 8 Wochen angegeben, das kann aber je nach Verhalten deutlich abweichen.
Beginnt das Tier sich feste Schlafplätze einzurichten, bestimmte Kotplätze zu benützen und zeigen sich bevorzugte Ruhe und Aufenthaltsplätze kann man von einer Akzeptanz des neuen Reviers ausgehen.
Auch die Annäherung sollte schrittweise und langsam erfolgen. Zumindest am Anfang sollte man, bis auf die tägliche Fütterung, auf Eingriffe in den Käfig verzichten. Das Häuschen, das von dem Hörnchen bevorzugt wird als Rückzugsmöglichkeit und meistens dann auch Schlafplatz ist völlig (!!!) tabu.

Sollte das Tier am Anfang sehr zurückhaltend sein gibt es ein paar Tricks um das Eis zu brechen.

1. In der Käfignähe langsame und ruhige Bewegungen und keine hohe Lärmbelästigung.
Dieses ist vor allem bei der Fütterung zu beachten.

2. Um das Tier an die menschliche Stimme zu gewöhnen kann man sich ruhig in Käfignähe setzen und dem Tier laut vorlesen – vielleicht ein Buch über die Haltung von Hörnchen?

3. Bei Abwesenheit ruhig mal das Radio (ein Sender mit viel Gespräch) oder ein Hörbuch vorspielen. Auch das gewöhnt das Tier an die menschliche Stimme.

4. Langsame Annäherung mit „Leckerlies“, wenn das Tier außerhalb seines Häuschens sitzt. Dazu muss man nicht in den Käfig langen, das kann man durch die Stäbe geben.
Nicht enttäuscht sein, wenn es nicht gleich klappt. Die Annäherung eines so großen „Raubtieres“ löst natürlich, vor allem Anfangs, einen Fluchtreflex aus. Jeder weitere Zentimeter, den das Tier von Zeit zu Zeit zulässt, ist ein Erfolg.
Ins Häuschen wird nicht reingelangt oder davor „rumgefuchtelt“, auch nicht mit etwas „Feinem“ in der Hand.

5. Geduld! Der Schlüssel zum Erfolg ist Geduld. Man versetze sich in die Lage das Hörnchen. Wir fordern die Zuneigung eines Lebewesens, das geistig sehr eingeschränkt ist und rund 1000mal leichter und kleiner ist!

Hat man das Gefühl, das Hörnchen ist auch im Kopf in seinem neuen Revier angekommen und es zeigt eine gewisse Gewöhnung an den Menschen ist Zeit für den ersten Freilauf.
Bereitet bitte das Zimmer sorgfältig vor, beseitigt so weit wie möglich Gefahrenquellen (Kabel, leicht umstürzende schwere Gegenstände, Giftpflanzen, offene Getränke, u.s.w. – mehr dazu in einem gesonderten Bereich) und überprüft schwer zugängliche Verstecke wie einen Einbauschrank, hinter den das Tier durch eine Fuge verschwinden kann.
Der erste Freilauf sollte an einem Tag ohne Zeitdruck erfolgen damit man die ganze Zeit anwesend sein kann und das Tier nicht plötzlich in wilden Jagdszenen, die viel gewonnes Vertrauen wieder zerstören können, wieder einfangen muss, weil man weg muss.
Am Besten, dieser erste Freilauf erfolgt am morgen vor der Fütterung. Erst nachdem das Tier den Käfig verlassen hat, frisches Futter, ggfls. mit Leckerlies und Wasser in den Käfig stellen – Hunger und Durst sind ein großer Anreiz für das Tier in den Käfig zurück zu gehen.
Am Anfang schließt sich die Käfigtür, wenn das Tier das erste Mal zurück geht um zu futtern, später wird der Ausflug ausgedehnt. Das Tier muss merken, dass es immer wieder raus kommt, auch wenn am Anfang das Türchen hinter Ihr zufällt.

Die Routine:

Täglich ist das Wasser und das Futter zu erneuern, wobei das Schüsselchen mit Naßfutter (Obst, Larven) und der Wassernapf ruhig nass ausgewischt werden darf. Eine ausreichend große Nagertrinkflasche darf auch in Ausnahmen mal 2 Tage hängen bleiben. Bei Abwesenheit z.B. übers Wochenende bitte zwei Trinkflaschen anbieten, da es vereinzelt schon passiert ist, daß sich bei bestimmten Flaschen die Absperr-Kugel im Trinkrohr verklemmt hat.
Der Zeitaufwand beträgt höchstens 15 min.
Natürlich sollte auch jeden Tag ein gewisses Zeitquantum aufgewandt werden um sich mit dem Tier zu beschäftigen oder um es an sich zu gewöhnen. Einen Zeitvorschlag wollen wir hier nicht geben, da das auch von Faktoren wie Berufstätigkeit oder Familie abhängig ist.
Nur, wer dieses vernachlässigt, sollte sich nicht wundern, wenn das Tier sehr zurückhaltend bleibt.
Jede Woche sind einmal alle Futterschüsseln nass auszuwischen.
Die Käfigreinigung ist von der Käfiggröße und der Einstreudicke abhängig. Spätestens alle 4 Wochen, wenn das Einstreu riecht, natürlich früher, sollte das Einstreu gewechselt werden und die Bodenwanne nass ausgewischt werden. Das Toiletteneck darf ruhig auch zwischendurch mal mit einem Schaufelchen ausgehoben und frisch eingestreut werden.
Auch die Sitzbretter und Ruheplätze sollten mit warmem Wasser abgewischt werden.
2-mal im Jahr ist eine zeitintensive Grundreinigung angesagt – das beinhaltet:
- die Reinigung und Desinfektion des/der Schlafhäuschen(s). Ansonsten sind diese in Ruhe zu lassen.
- das Abreiben und Desinfizieren der Kletteräste. Materialien aus Stoff (Hängematten) sind ja nach Verschmutzungsgrad außer der Reihe zu reinigen, waschen.
- Das Reinigen der Käfiggitter mit heißem Wasser. Von Reinigungsmitteln (Vergiftungsgefahr, Gesundheitsgefährdung) raten wir ab.
- Denn Austausch von Sepiaschale und Mineral-/Salzleckstein wegen Verschmutzung.
Die fest eingebauten Einrichtungsgegenstände (Äste, Kletterhilfen, Sitzbretter) sollten ca. alle zwei Jahre ausgewechselt werden. Aber das sollte nicht in einer „Hau Ruck“ Aktion, sondern Stück für Stück passieren. Eine völlige Veränderung des Reviers würde das Tier verunsichern. Wenn Ihr alle 2 Wochen einen Ast austauscht geht diese Erneuerung ohne Stress für das Tier über die Bühne.

Wir wissen, das war ein langes und anstrengendes Kapitel. Aber solltet Ihr alle Ratschläge beherzigen und ein wenig Phantasie und gesunden Menschenverstand walten lassen, steht einer schönen und interessanten Zeit mit einem Sibirischen Streifenhörnchen, nach unserem Ermessen, nichts mehr im Wege.

Informationsblatt zur Erstinformation im Zoohandel oder bei Privatzüchtern
Infoblatt